Wie alles anfing....

Auf einen dieser Wanderungen saß er in einer Hütte:

Eingehüllt in meinem Mantel, nahm ich Platz in der Ecke während um mich herum allerlei gesprochen und getrunken wurde. Der Rauch des wärmenden Feuers und der meine Pfeife vermischte sich mit dem Geruch nach Essen und nach all den Tränken die dort gereicht wurden. Bis plötzlich eine Stimme nach mir rief: „He Du, erzähl nun du!“ Ich blickte auf:„Was stört ihr mich? Seht ihr nicht, daß ich einen Becher mit warmen Met halte? Kann ein alter Graubart nicht die Wärme des Herdfeuers genießen? Eine Geschichte wollt ihr hören? ...Ihr habt recht, es ist an mir die Reihe und wenn ich so aus dem Fenster schaue, wie die Schneeflocken sich auf der Fensterbank sammeln, fällt mir auch ein alte Begebenheit ein... Löschet die Lichter bis auf eine Kerze, füllt zuvor noch eure Becher und dann lauschet gespannt.“

 

„Meine Geschichte beginnt in einer dieser dunklen Nächte so kurz nach der Tag-u. Nachtgleiche, in der man nicht gerne sein Heim verläßt, schon gar nicht um durch den tiefen Wald zu streifen. Und tief in diesem alten Wald, der da Sporkenwald geheißen wird erhob sich im fahlem Mondlicht ein Berg. Über dessen Bergspitze die Windriesen in dieser Nacht stürmten, so daß die alten Bäume fürchterlich  knarzten und rauschten. Es schien als würde sie miteinander reden und nicht nur sie waren erwacht. Auch allerlei unbekannte Schatten und Geister waren wohl unterwegs. Wem wird da nicht Bange, wenn man nur ein kleines Stück weit versucht in diese Welt einzudringen.

 

Auf dem geheimnisvollen Berge gibt es einen alten Felsen, den man auch den Opferstein nennt. Dort brannte eine einsame Fackel in deren Schein drei Gestalten nur schwach zu erkennen waren. Eingehüllt in ihre Mäntel kauerten sie dicht beisammen. Die Wanderstäbe und ihre blanken Waffen lagen vor ihnen. Leise nur drangen Wortfetzen in die Nacht und es schien als ob wichtige Worte Gehör suchten. Sonst sah man keinen Menschen im Wald, wer würde das auch wagen? Sie konnten sich also sicher sein, das niemand ihr Treffen gewahr wird.

 

Die dunkle Nacht schluckte sie, denn nur wenig Licht gab die Fackel. Und die dort in tiefster Nacht saßen, waren die beiden Brüder Aragorn und Dankward und ihr Vetter Harm Wulff, der ihnen ein dritter Bruder war. Lange saßen sie dort und nachdem Rede, Für und Wieder geführt wurde, verlöschten sie die Fackel.

Während sie durch die Felsformationen schritten, rief ein Käutzchen hinter ihnen her. Bis sie endlich im dichten Wald verschwanden. Eingehüllt von der Dunkelheit, schlichen sie die nur ihnen bekannte Wege zurück zu Ihrer Heimstatt..

Die Flamme in ihnen brannte und sollte getragen werden um ein größeres Feuer zu entzünden. Die drei Brüder trafen sich noch einigemal auf dem Berge und wann immer es möglich war und die Wände keine Ohren hatten, gab es für sie nur ein Thema. Und immer wurde heftig beraten und auch gestritten.

 

Ein paar Monde später, in einer düsteren Schenke, die in einem tiefen Keller verborgen lag, trafen sich ein paar Gesellen, die wohl wichtiges zu besprechen hatten. Es waren derer nun fünf. Während die Bierhumpen fast unbeachtet herum standen, saßen sie tief gebeugt  über den Tisch und hatten die Köpfe zusammen gesteckt. Nun endlich wurden alle gewahr, was man damals im Lenzing in dunkler Nacht ersann.

Die Gründung einer Gemeinschaft, ähnlich der Sahsnot, die man die Schwerbrüder nannte.

Nicht lange dauerte es, bis die Fünf sich darauf einigten diese „Gemeinschaft von Tyr“ zu nennen. Den düsteren Ort wollten alle rasch verlassen, aber er war eben geeignet nicht gesehen zu werden und Dinge zu besprechen die nicht für jedermann Ohr waren. Als es darum ging wann der Anfang gemacht werden sollte, drängte Dankward alle, daß die Weihe in der Nacht des 21. Julmondes 2001 n.d.ZW. stattfinden müßte. Denn nach alter Mystik war daß die 9, die „Vollkommene“

Endlich war es soweit. Der Frijadag, der 21.12.2001 war gekommen und es war ein Winterabend wie man ihn lange zuvor nicht mehr erlebt hatte. Bevor die Sonne ihren höchsten Stand zeigte, begannen die Schneeriesen unaufhörlich zu wüten und bis zu den Abendstunden versank das ganze Land im Schnee, alle Wege waren gesperrt und es gab kaum ein Durchkommen. Es waren wohl die Kräfte, die auf der Seite der Riesen standen, die verhindern wollten daß sich die Getreuen zusammentaten. Harm Wulff, hatte die meiste Mühe bis zu der Hütte im Wald zu gelangen, da sein Weg lange und beschwerlich war....

Die Dunkle Nacht siegte über die Sonne, und die Krieger stampften durch den Schnee zu dem alten Thingberg hin. Am Fuße angekommen teilten sich die sechs Getreuen in zwei Gruppen auf die über verschiedene Wege hinauf zum Gipfel marschieren sollten. Die Nacht der Gründung der GvTyr war nun da, aber es gab einen wichtigen Grund getrennte Wege zu wählen. Es war auch die Nacht in der Dankward sich und sein Schwert „Sonnegg“ dem Schwertgott Ziu weihen wollte. Sonnegg war aber ein besonderes Schwert, der blanke Stahl hatte die Form einer Tyrrune und wenn der Sonnenstein gefunden wird sollte er in den Griff eingearbeitet werden. So symbolisiert Sonnegg die Waffe des Lichtes. Getragen von den Getreuen der Sonne. Von dieser Nacht an hatte es  eine besondere Rolle inne.  Der, der aufgenommen wird, muß immer ohne Waffe in die Mitte der Gemeinschaft treten. Daher war es auch für Dankward Pflicht ohne Sonnegg seinen Weg zu gehen. Auf Wunsch des Unbewaffneten gab Harm Wulff sein Geleit zum Opferstein des uralten Thingplatzes.2  

 

Die Schneelast bog die Bäume am Wegesrand. Wie ein Tunnel aus Schnee war der Weg durch den sie wandern mußten. Schneeflocken legten sich auf sie und der eiskalte Wind wirbelte sie in ihre Gesichter, trotz schützender Mäntel war es sehr kalt. Und nur das Licht der Fackel warf einen schwachen Schein auf den  Schnee am Boden  und zeigte den Weg. Den sie doch so gut kannten, der aber in dieser Nacht nicht der Selbe schien.

 

Waren das vor ihnen Waldgeister oder Trolle, die durch den Wald huschten, neugierig auf den unerwarteten Besuch der Menschen mitten in der Nacht? Nein, es waren ihre vier Gefährten, deren Weg sich nun mir dem ihren kreuzte. Sie kamen nur sehr langsam voran, denn ihr Weg  war steiler und länger und die Frau in ihrer Mitte kam nur schwer voran. Auch Sie hatten die Beiden erkannt und bereits jetzt umhüllte der Zauber dieser einmaligen Nacht sie alle.

Und weiter blies der Wind die neu fallenden Schneeflocken vor sich her, so das man keine Spuren von Lebewesen mehr sah, die ganze Welt versank in einem Schleier aus Schnee. Nur Dunkelheit und das matte Licht der Fackeln waren zu sehen. Die Bäume tanzten ihren Schattentanz. Es war lausig kalt und während die anderen in der Dunkelheit verschwanden, machten Dankward und Harm ihre Pfeifen an und zogen genüßlich an ihnen. Leichte Rauchschwaden mischten sich  nun mit dem Dunst des Atems, der gleich einem Nebel vor den Mündern stand. Sie wollten noch ein wenig warten, bis sie weiter ihren Weg gingen. Später als sie den Wildweiberstein erreichten, gab Harm das Signal mit dem Horn, so wie es vereinbart war.

 

Doch nicht die wilden Weiber kamen gesprungen, sondern dumpfer Trommelschlag erklang vom Plateau herab. Wie ein Schauder lief es den beiden über den Rücken, Kälte und Schnee waren sofort vergessen. Und die Spannung auf das, was sie erwarten würden stieg. Sie hatten den Glanz in den Augen, wie man ihn nur selten bei Menschen sehen konnte. Alles, wirklich alles war vergessen und es zählte nur der Moment.

 

Am Ende des Weges warteten bereits Aragorn und die Anderen um Dankward abzuholen. Gefolgt von der Trommel, die Wasmuth spielte, marschierte Dankward durch den knietiefen Schnee. Bis hin zum Opferstein ging der unberührte Weg, der durch Fackeln erhellt ward. Aragorn stand bereits auf dem Opferstein und nahm das Schwert Sonnegg, das bis dahin auf einem Fell gelegen hatte und reichte es seinem Bruder Dankward, während alle anderen unterhalb des Felsen standen und zuschauten. Dankward umfaßte den Griff.... um ihn herum verwischte sich alles. Die Welt schien nicht mehr real, bis er das  Schwert tief in den dunklen Himmel hinauf stieß und Ziu rief. Dreimal laut schallte es durch die Nacht, ZIU ZIU ZIU...

 

Die Eisriesen wüteten immer heftiger, konnten die Gefährten auch kaum noch etwas verstehen, was machte es, denn sie wußten ja was geschah. Die wilde Schar stürmte mittlerweile über den Baumwipfeln und Aragorn und Dankward trugen bereits Kappen aus Schnee und Eis, doch daran dachte in dem Moment keiner.

Wieder nahm Dankward das Schwert hoch und stieß es nun in jede Himmelsrichtung, so ward der Schutzkreis rund um die Gefährten gezogen, der sie vor dem Bösen schützen würde. Kaum war der Schutzkreis gezogen legte er die Klinge zurück in die Arme von Aragorn, der sie quer vor sich hielt. Dankward stach sich einen Moment später in den Finger und gab sein Blut, das bei der Kälte fast einfror, auf die Klinge.

 

So wurde Sonnegg in dieser Nacht geweiht und gleichzeitig schwor Dankward den alten Weg zu gehen und zu bewahren. Nun war es an Aragorn und Harm Wulff ihm gleich zu tun und mit ihrem Blutschwur die Weihe zu bezeugten und das brüderliche Band um die Gemeinschaft zu binden. Sie gaben der Klinge die Kraft, den Mut und auch die Erinnerung. Es war etwas ganz besonderes dem dann Nana und Markus folgten, die sich nun mit ihrem Blute in die GvTyr gaben. Und fortan sollte jeder der neu in die Gemeinschaft begehrt so aufgenommen werden. Mit Ausnahme von Wasmuth, waren nun Alle, Freie der GvTyr.

 

Noch immer im Bann dieser Nacht marschierte die kleine Gruppe durch den immer höher werdenden Schnee zurück. Bevor sie das Plateau endgültig verließen, schaute der ein oder andere nochmals zum Opferstein. An dem immer noch die letzten Reste der Fackeln brannten, als einziges Zeichen ihrer Anwesenheit und als Zeichen, daß die Sonne immer Verbündete in ihnen fand. Von jetzt an sollten die Notfeuer brennen. Sie standen bereit für den Kampf gegen die dunkle Macht. Es wurde wieder still auf dem Berg und der Schnee tanzte weiter seinen Tanz. Und nicht wenige uns unbekannte Wesen wunderten sich über dieses seltsame Tun...

 

Keiner der dabei war wird es vergessen und wenn sie alt sind werden sie immer noch davon zu erzählen wissen...

Falls, ihr mal einen jener treffen solltet, nickt ihnen wissend zu und stellt ihnen einen Humpen Bier auf den Tisch und fragt sie nicht. Sie werden dir davon berichten, achten sie es für Wert. Wie ich heiße? Namen, Schall und Rauch, doch wenn ihr nicht anders könnt...manche nennen mich der Rabe...

[zurück]

[weiter]