Aufbruch

Aufbruch im Sporkenwald, viel besser könnte man es nicht nennen. Mit der Sonne kommt der Frühling und mit dem Frühling bricht das Neue durch die Erde und wird wahr. Manadis und Dankward werden gehen. Ja, weg aus dem Sporkenwald führt ihr Weg.

Der Winter war lang und dunkel, eine lange Zeit der Gedanken, wie es denn nun weitergehen solle. Nicht nur das Manadis immer öfter an zu Hause dachte, wo sie einst Familie und Freunde zurück lies, nein auch die Bedrohung wurde im Sporkenwald immer größer. Obwohl Dankward sich zwar sicher war, daß SIE ihn nicht fangen könnten, hatten sie eigentlich keine andere Wahl. Denn er hatte ja auch Verantwortung für all die Anderen, die den Schutz des Waldes noch mehr bedurften. Auch die Alte Heilige Stätte weiß er unter guter Bewachung des Aragorn und Durin.

Zu oft hatte er die Grenzen passiert, zu sehr führte sein Spur in den tiefen Wald und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis auch SIE diese Spur zu lesen vermochten. Schon jetzt kamen immer mehr fremde Kriegerscharen. Die ganz offensichtlich etwas suchten. Gerüchte über eine unheimliche, eine unbeugsame Schar, die sich im Wald verbirgt und die dort den alten Göttern huldigen würden, verbreiteten sich. Was den Anhängern der Dunklen Macht sicher nicht recht sein konnte. Also wurde die Suche intensiver. Immer wieder werden kleine Söldnertruppen in den Sporkenwald geschickt.

In vielen Schlachten erfahren, sind diese Männer. Grimmig ihr Aussehen und gnadenlos ist ihr Handeln. Und doch gehen auch sie nur mit Widerwillen und gelockt durch die Belohnung, die ausgeschrieben ist. Einen Beutel voller Goldtaler und eigenes Land für den Trupp, dem es gelingen wird den Anführer der Unbeugsamen lebendig zu fangen. Doch geht auch die Furcht mit ihnen. Denn nicht selten verschwinden ganze Trupps auf nimmer wiedersehen. Dies bleibt nicht ohne Argwohn und Sorge. Doch woher sollen die „Edelleute“, die sich in ihren Burgen verschanzen und die sich den Vorteil der Dunklen Macht zu nutze machen, wissen wie unsinnig ihr Handeln ist. Denn einen Anführer hat die Rabenschar nicht.

Es gibt natürlich Männer und Frauen, die mehr tun als sich nur im Wald verbergen. Sie sammeln Informationen, die sie benötigen um den Feind zu schädigen. Und immer wieder greifen sie zu, wenn der Feind zu vorwitzig seine Nase in den Sporkenwald steckt. Der Kampf im Wald ist ihr Kampf. Wie Schatten schlagen sie immer wieder zu und wie der Ruf des Raben erschallt ihr Schrey wenn sie wieder gesiegt haben. Über all diese Dinge berichten sie dem Thing, der Versammlung aller Freien, die unter dem Banner der Rabenschar stehen. Diese Wanderer, Kämpfer und Waldläufer sind es wohl, die man für die Köpfe hält und die in Ketten in die steinernen Bauten der Höflinge geführt werden sollen damit man sie dort foltern und anschließend töten kann.

Die Zeit des offenen Kampfes ist noch nicht gekommen, zu wenige Getreue, die den Mut bisher aufbringen können sich dem ALTEN WEG zu weihen. Daher gilt es zu bewahren und zu schützen. Dies geht nur wenn wieder mehr Ruhe in den Wald einziehen wird.

Gründe genug um weiter zu ziehen. Manadis und Dankward waren sich einig, das beste Versteck ist am großen Fluß selber zu finden. So zog es sie in die alte Stadt, die von den Vorderen „bheng-io-m“ gerufen wurde, Was soviel bedeutet wie „Stadt an den Fällen“. Früh wurde diese Stadt vom Drachen überfallen und war seitdem immer besetzt. Die lange Zeit ohne Aufstände war den Herrschern Grund genug sich ihrer „Bürger“ sicher zu sein, so daß die Zügel der Macht ein wenig lockerer in der Hand gehalten wurden.

Hier fand sich eine Unterkunft im Hause eines medizinkundigen Mannes. Der selber nur am Tage seine Heilkunst in dem Haus ausübt aber nicht dort wohnt. Das Gute daran ist, sie haben das Haus ab den Abendstunden für sich alleine. Die Unterkunft verbirgt sich ganz oben und bietet mehrere Vorteile. Auch den, daß Dankward keine Arbeiten mehr verrichten muß, wie sie in der Hütte im Wald üblich sind. Die gewonnene Zeit kann er nun mehr den Studien des ALTEN WEGES  widmen.

Von der Unterkunft können sie einen Teil des Großen Flusses genau beobachten und so lassen sich Truppenbewegungen auf dem Fluß recht schnell erkennen. Denn der Große Fluß ist auch der Transportweg für Güter aller Art und immer wieder kreuzen Kriegsschiffe auf ihm herum, die nicht nur Zollaufgaben haben, sondern die auch die Krieger der Dunklen Macht schnell transportieren können.

So war es schon vor langer Zeit als der Drache sich auf den Weg machte und von Surt aus über die himmelhohe Berge schritt. Nicht nur am linken Ufer des Großen Flußes kam er in ihr Land. Auch den Fluß machte er sich zu nutze. Oft hatten sie Widerstand geleistet doch kam mit dem Drachen auch die Dunkle Macht und hat seitdem nicht mehr von ihrem Land gelassen.

Nur ein paar Schritte von der Unterkunft entfernt findet sich eine alte Festung, die notfalls auch Schutz bieten konnte. Zudem soll sich eine Stätte des ALTEN WEGES nur unweit im Wald verbergen. Und vielleicht leben noch weitere Überlebende der letzten Schlacht gegen die Krieger der Dunklen Macht, verstreut in der Landschaft, so wie Harm Wulff. Alles in allem keine schlechte Voraussetzungen um nach weiteren Getreuen suchen, die sie unter dem Banner der Rabenschar sammeln wollen.

Ein Bergkamm trennt den Großen Fluß von dem weiten Auetal der Nahe, die hier in den Großen Fluß mündet. Von dort ist es nur noch der halbe Weg bis in den tiefen Pfalzwald, der Heimat von Manadis. 50 Meilen lang ist der bequemere Weg, folgt man dem Flußlauf der Nahe bis zum Glan und von dort immer der Lauter hinab. Doch dieser Weg führt auch an großen Festungen vorbei und ist deswegen nicht ungefährlich. Die andere Alternative ist die alte Salinenstraße, die immer von vielen Händler benutzt wird und mit seinen 42 Meilen zwar kürzer aber auch beschwerlicher ist. Doch sie gehen meist den Weg am Berg des Donars vorbei, durch das Hügelige Land über die kleinen unbekannten Pfade. Hinein in den großen Wald.

Sie nennen die Tage Pfingsten und all über all im Land wird gefeiert und auch die Rabenschar weiß die Zeit zu nutzen. Denn nicht all zu oft haben sie die Gelegenheit einander zu sehen. Und am unauffälligsten können sie sich dort treffen, wo Menschen feiern. So vereinbarten sie miteinander, sich in Oberwesel auf dem Spectaculum wiederzusehen.

Nur alle zwei Jahre findet dort das große Fest statt und von überall kommen die Händler, die Handwerker, die Gaukler und die Musikanten. Gibt es eine bessere Gelegenheit sich an den Wachen der Stadttore vorbei zu mogeln? Aus der ganzen Gegend und von weit her kommen die Menschen um dem Spektakel  beizuwohnen. Sie kommen in großen Scharen und voller freudiger Unruhe. Wie sollen die Wachen da jeden einzelnen kontrollieren.

In den Abendstunden an den Mauern der Stadt werden sie sich treffen um sich dann in der Menge zu verstecken. Für einige Stunden wollen sie eintauchen in die Welt des Scheins und Teil des Ganzen werden. Und wenn die Nacht Besitz nimmt von der alten Stadt, wenn die hunderte von Kerzen die Wege und Plätze erhellen, wenn all die Männer und Frauen sich in den Tavernen oder an den Ständen am kaltem Met laben. Dann würden die Trommler und Sackpfeifer anheben das Folk mit ihren Weisen und ihrem wilden Trommelspiel zu erheitern. Gute Voraussetzungen, daß es wieder eine „Nacht der Raben“ wird. Doch mehr wird in diesen Schriftrollen zu berichten sein, wenn Sie alle wieder an den Herdfeuern ihrer Hütten sitzen werden....

 

 

Nun sitz ich Dankward vor den Schriftrollen in dem meine Geschichte, die Teil der Geschichte unserer Gemeinschaft ist, niedergeschrieben steht. Es juckt mich in den Fingern die Schriftfeder in die Hand zu nehmen und niederzuschreiben was wir in den letzten Dag erlebten.

Lange hatte ich diesen Dag erwartet an dem endlich wieder das große Spectaculum hinter den Mauern der Stadt Oberwesel  stattfinden würde. Endlich war es wieder an der Zeit auch die Anderen der Rabenschar zu treffen, mit ihnen zu reden und vor allem mit ihnen zu feiern. Doch vor uns lag die Stadtmauer deren Tore von den Büttel der Stadtwache gesichert waren. So trafen wir uns an der großen Mauer um in die Stadt zu gelangen. Und wie ich es erwartet hatte kamen alle hinter die Mauern der Stadt ohne aufzufallen. Wo Grenzen des Anstandes gefallen sind regiert die Maßlosigkeit. So verlangte die Obrigkeit von allen einen Sonderzoll in Höhe von 10 Goldrandtaler. Diese elende Blutsauger verdienten sich wieder eine Goldene Nase. So wundert es mich nicht das Oberwesel eine reiche Stadt ist und deren Oberen in Saus und Braus leben. Es erstaunt mich jedoch wie leicht wir in die Stadt kamen, den schwer bewacht war das Tor und nur klein der Einlaß, doch gelangen wir ohne große Kontrollen hinein. Die Straßen waren geschmückt mit schwarz roten Fahnen, die Farben der Burg die über der Stadt thront. Gefüllt waren die Gassen mit allerley Folk und man hörte schon die Musik vom ersten Platze schallen und bis dahin hatte unser Harm Wulff schon den ersten Stand mit Schupfnudel erschnüffelt und wie er halt so ist, sah man ihn von da ab öfter kauend durch die Straßen laufen. Überall lag Stroh in den Gassen, was den Füßen sehr gut tat, so war das Pflaster bequemer zu ertragen.

Die Rabenschar teilte sich auf, das jeder seine eigene Besorgungen machen konnte. Zeit mit Manadis die Stände zu erkunden, die all die Dinge anboten, die wir brauchten oder begehrten. Nicht selten hielt meine Hand nach dem Schwert Sonnegg, daß an meiner Seite baumelte. Denn nicht nur lustig Folk war unterwegs, sondern auch die Stadtbüttel und ihre Schergen streiften durch die Gassen um immer wieder Ausschau nach unerwünschten Folk zu halten. Und nicht wenige Spione treiben sich im Folk versteckt herum. Doch den Götter sei Dank nichts passierte und auch in keinen Streit gerieten wir, wie sie doch in den Tavernen üblich sind. Die Sanduhr verstrich und der Marktoberer tat kund daß die uns bekannten Musiker, die sich Furunkulus Bladio nennen, spielen würden. Also eilte Manadis und ich geradewegs hin zu der selbst erbauten Bühne. Kaum erschall ihr großer Gong wurde es leise, aber dieser Zustand hielt nur kurz, den wie die Darwische schlugen sie ihre Drommeln und tanzen wild, die Sackpfeifen wurden laut bis schrill und alles Folk fing zu tanzen an. Niemand konnte sich  dem Zauber dieser Teufelskerle entziehen.

Endlich kam auch meiner Mutter zweiter Sohn von einer langen Wanderung in die Stadt. Und endlich war es an der Zeit in einer der Tavernen den Humpen Bier zu erheben und unter dem Mantel der Verschwiegenheit die Rollen mit dem Aufruf zur Sommersonnenwende, weiter zu reichen. In den eisernen Körben hingen die Tonbecher mit Wachs gefüllt, die ihr Licht warm auf die Straßen und Plätze warf und langsam schlossen die Händler ihre Stände und die Nacht gehörte den Gauglern, Musikanten, den Spielern und dem lichtscheuen Gesindel und denen die einfach nicht nach Hause gehen wollten. So blieben auch wir bis der Nachtwächter dem Treiben ein Ende machte und die schwer bewaffneten Söldnertruppen die letzten Stadtfremden vor das Tor trieben um das schwere Eichentor zu verschließen.

Fortsetzung folgt...

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